Werteentwicklung nach Lawrence Kohlberg

Ebene 1: Präkonventionelle Moral (die meisten Kinder unter neun Jahre)

1. Stufe (heteronome Stufe): Fremdbestimmte Moral, Egozentrismus;

Lust-Schmerz-Orientierung; Vermeiden von Strafe; „Macht ist Recht“.

Es ist rechtens, Regeln einzuhalten, deren Übertretung mit Strafe sanktioniert wird. Gehorsam als Selbstwert. Personen oder Sachen keinen Schaden zuzufügen. Moralisches Handeln, um Bestrafung durch Autoritäten zu vermeiden.

2. Stufe (Stufe des Individualismus): Individualismus, naiver Hedonismus; Kosten-Nutzen-Orientierung, Belohnung und Strafe; „Eine Hand wäscht die andere“.

Ebene 2: Konventionelle Moral (die meisten Jugendlichen und Erwachsenen)

3. Stufe (Stufe gegenseitiger interpersoneller Erwartungen): Beziehungen, Konformität mit anderen; Braves-Kind-Orientierung, Anerkennung gewinnen; „Was du nicht willst, das man dir tu`, das füg` auch keinem anderen zu“ (Goldene Regel).

4. Stufe (Stufe des sozialen Systems und Gewissens): Recht-und-Ordnung-Orientierung, Regeln befolgen.

Ebene 3: Postkonventionelle Moral (einige Erwachsene über 20 Jahre)

5. Stufe (Stufe des Sozialvertrags): Sozialer Kontrakt; Einsatz für die Gemeinschaft, Gesetze sind nicht absolut.

6. Stufe (Stufe universeller ethischer Prinzipien); Vernunft und Moral, Gleichberechtigung aller Menschen. Hier trifft Immanuel Kants Kategorischer Imperativ zu: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“

Dieses Stufenmodell beschreibt die kognitive Entwicklung, nicht jedoch zwangsläufig die emotionale oder die Entwicklung des Handelns. Wissen wird nicht unbedingt in Handeln umgesetzt. Nach Kohlberg ist es nicht möglich, Stufen zu überspringen oder auszulassen. Denken auf einer höheren Stufe schließt Denken auf der darunterliegenden jedoch nicht aus (hierarchische Integration). Niemand kann eine moralische Stufe überhaupt nur als sinnvoll erfassen, die um mehr als eine Stufe höher liegt als die, die man gerade erreicht hat. Mit 16 Jahren sind die meisten Menschen heute auf Stufe 4 angelangt, etwa 25 Prozent erreichen im Laufe ihres Lebens die Stufe 5. Was höhere Stufen laut Kohlberg attraktiv macht, ist, dass sie es ermöglichen, verzwickte ethische Probleme erfolgreicher zu lösen. Aufgaben, in denen solche Problemsituationen besprochen werden, haben sich darum als sehr erfolgreich für die Schulung erwiesen. In weiteren Forschungen wurde die universelle Gültigkeit dieser Abläufe bei allen Völkern und zu allen Zeiten nachgewiesen. Zur Entwicklung sind Dilemmata nötig. Das höchste Ziel der Entwicklung ist die universale Gerechtigkeit und eine majorisierende Äquilibration.

Quelle: Wikipedia